Nele's Alltag

Es ist 5:30. Ich werde langsam wach. Mama schläft noch. Also fange ich erst mal an, zu erzählen. Meist dauert es nur ein paar Minuten, bis sie mit einem fröhlichen „Guten Morgen“ an meinem Bett steht. Mit einem breiten Grinsen entschädige ich sie schnell  für das frühe Aufstehen.

 
Mama freut sich jeden Tag, dass ich noch da bin. Die Ärzte im Krankenhaus haben damals etwas ganz anderes gesagt. Sie gaben mir gerade mal ein Jahr, als sie im Alter von 3 Monaten diesen sehr seltenen Enzymdefekt bei mir feststellten. Das hat Mama und Papa ganz schön  den Boden unter den Füssen weggerissen.
Aber ich habe angefangen, zu kämpfen. Ich wollte doch einfach nur leben! Und ich hab es geschafft. Aber nicht nur ich hab gekämpft, auch für Mama ist das Leben mit mir und für mich nicht einfach. Jeden Tag steht sie vor neuen Herausforderungen, die sie meistern muss, egal wie.
 
Jetzt bin ich 3. Seit  über einem Jahr geh ich sogar in den Kindergarten. Natürlich war damals alles ganz neu für mich, aber ich bin sehr gern mit anderen Kindern zusammen und habe seitdem schon ganz viel dazugelernt. Um 7 steht also jeden Morgen der Fahrdienst vor der Tür, um mich dorthin zubringen. Also ist Hektik angesagt, aber erst nach`m Kuscheln, schnell noch hübsch machen und frühstücken. Los geht`s, ich bin bereit für neue Abenteuer. Am schönsten ist es, wenn ich mal keine Therapien habe, und mit  den anderen spielen, basteln oder singen kann. Einmal in der Woche gehen wir sogar zum Reiten  und Schwimmen. Manchmal backen wir auch, da bin ich für den Mixer zuständig. Was für ein Spaß!
 
Der Tag im Kindergarten ist ganz schön anstrengend. Und ich freue mich jeden Tag auf einen entspannten Nachmittag mit Mama. Meistens gehen wir dann im Park spazieren oder einkaufen. Neben Mama ist auch Oma immer für mich da. Die Nachmittage mit ihr sind auch super! Oma ist  die beste. Sie gibt meiner Mama ganz viel Kraft und schenkt mir jeden Tag viel Freude. Ohne sie hätten wir`s , glaub ich, nicht geschafft.
Leider kann nicht jeder Tag so sein. Oft ist unser Alltag von den vielen Arzt-, Sanitätshaus- und Therapiebesuchen geprägt. Die machen mich alle. Auch für Mama und Oma sind sie sehr anstrengend.
 
Abends muss ich dann leider schon um 6 ins Bett, aber erst bestehe ich natürlich auf meine Gute – Nacht – Geschichte und noch einmal Extra - Kuscheln, und nochmal, und nochmal, und … manchmal werde ich auch nachts munter, aber da ist Mama dann immer sofort da und schaukelt mich wieder in den Schlaf.
 
An den Wochenenden bin ich dann auch mal bei Papa, da kann Mama mal Kraft tanken. Dort fühle ich mich auch sehr wohl und ich geniesse die Zeit mit Papa sehr. Aber das erzähle ich dann an anderer Stelle.
Trotzdem sind wir glücklich, weil wir haben ja uns. Das zählt.
 
Auch wenn ich nicht sitzen, laufen und sprechen kann, fühle ich mich pudelwohl in meiner kleinen bunten Welt!
 
Eure Nele