Hereditäre-rezessive Methämoglobinämie Typ II
Der autosomal-rezessive Typ 2 der Hereditären Methämoglobinämie, auch rezessive Kongenitale Methämoglobinämie Typ 2 genannt (RHM Typ 2/RCM Typ 2), ist ein seltener Enzymdefekt. Die Prävalenz ist nicht bekannt, bisher wurden in der Literatur weniger als 80 Fälle beschrieben.
Die Anzeichen sind im Alter von 9 Monaten voll ausgeprägt. 
Die neurologischen Symptome sind recht einheitlich: Immer besteht eine schwere, stationäre Enzephalopathie, mit psychomotorischen Leistungen, die regelmäßig unterhalb der Leistungen 1-jähriger Kinder liegen.
Die Patienten haben eine generalisierte Dystonie, oft begleitet von Hypotonie und Bewegungsstörung. Mit zunehmendem Alter bessert sich die Hypotonie, abnorme Bewegungen werden seltener, und die Dystonie wird fixierter.
Immer besteht eine Mikrozephalie (zu kleiner Kopf), häufig sind verzögertes Wachstum und Strabismus zu sehen.
Gelegentlich wurde über therapierefraktäre Epilepsie und gestörtes Verhalten berichtet.
 
Patienten, die länger als 10 Jahre überleben, haben als Folge der chronischen Dystonie schwere Skelettdeformitäten.
Der Schlüssel zur Diagnose ist die Zyanose, die aber schwierig zu erkennen sein kann. In Belastungssituationen, wie z.B. Infektionen, ist sie verstärkt, kann aber viele Jahre unbemerkt bleiben. Berichtet wurde auch über seltene, atypische Fälle mit milderem Krankheitsverlauf und längerem Überleben.
 
RHM-Typ 2 ist durch einen generalisierten Aktivitätsmangel der NADH-Cytochrom-b5-Reduktase 3 verursacht, während dieses Enzym beim RHM/RCM Typ 1 nur in den Erythrozyten fehlt. Ursache des RHM-Type-2-Phänotyps sind Mutationen im Cb5R-Gen CYB5R3 (22q13.31-qter). Die klinische Diagnose wird durch den Nachweis verminderter Cb5R-Aktivität in Erythrozyten und Leukozyten und durch molekulare Analyse des Gens gesichert.
Die wichtigste Differentialdiagnose bei Geburt ist die RHM Typ 1, bei der das einzige klinische Symptom eine Zyanose ist. Eine oft progrediente Mikrozephalie kann Hinweis auf das Vorliegen eines Typ 2 sein, ist aber evtl. bei der Geburt noch nicht ausgeprägt.
Wegen des 25%igen Wiederholungsrisikos soll betroffenen Familien in jeder weiteren Schwangerschaft eine vorgeburtliche Diagnostik angeboten werden. Bei bekannten Mutationen ist eine molekulare Diagnostik in Chorionzotten möglich. Der neurodegenerative Prozess ist bisher therapeutisch nicht zu beeinflussen.
 
Für die Patienten hilfreich ist die symptomatische Behandlung der Bewegungsstörungen.
In den ersten Berichten war die Lebenserwartung der Patienten nicht höher als 10 Jahre. Jetzt sind einige ältere Patienten (bis zu 24 Jahren) mit der typischen schweren Form, aber ohne besondere lebensbedrohliche Störungen, bekannt geworden.
Die Lebenserwartung wird wahrscheinlich durch die Schluckfunktion und die Art der allgemeinen Betreuung bestimmt. Desweiteren liegt eine schwere Essstörung vor.